Voice-VLAN für IP-Telefonie – Konfigurationsanleitung

Geltungsbereich: Yealink-Telefone an Starface über verschiedene Switch-Plattformen. Stand: Juni 2026


Worum es geht

An einem Switch-Port hängen zwei Geräte: das Telefon und dahinter, am Durchreich-Port des Telefons, ein PC. Auf einer Leitung kann aber nur ein VLAN untagged laufen. Daraus folgt das Muster, das auf allen Plattformen gleich ist:

  • Daten-VLAN läuft untagged (native). Das ist der PC. Man stellt das nicht aktiv ein, es ist schlicht das, was der Switch mit allem macht, was ohne VLAN-Tag ankommt.
  • Voice-VLAN läuft tagged. Das ist das Telefon. Es bekommt die VLAN-ID per LLDP-MED vom Switch und taggt seinen Traffic selbst.

Das aktive Gerät taggt sich also selbst, das passive bleibt untagged. Deshalb ist Daten native und Voice getaggt, nicht andersrum. Praktischer Nebeneffekt: Steckt jemand statt des Telefons direkt ein Notebook in die Dose, landet es im Daten-VLAN und nicht im Telefonnetz.

Beispielwerte hier: Voice-VLAN 13, Daten-VLAN 1. Pro Kunde an die dort gültigen IDs anpassen.


Voraussetzungen (alle Plattformen)

  1. Das Voice-VLAN existiert auf dem Switch (z. B. 13).
  2. Telefon-Port: Daten-VLAN untagged, Voice-VLAN tagged.
  3. Uplink-Port zur Firewall: Voice-VLAN tagged ergänzen. Wichtig: additiv, vorhandene VLANs nicht entfernen.
  4. LLDP bzw. LLDP-MED ist aktiv. Das ist der Mechanismus, der dem Telefon die VLAN-ID ansagt.
  5. Auf der Firewall (Securepoint UTM) gibt es ein VLAN-Interface fürs Voice-VLAN mit eigener Zone und DHCP-Bereich. Details in Abschnitt 8.

Fehlt Punkt 4, taggt das Telefon nicht und landet trotz korrektem Port-Tagging im Daten-VLAN.


Aruba / HP 2530 (AOS-S / ProCurve)

Verwaltung über CLI (SSH oder Konsole). Die Web-GUI kann das voice-Flag nicht setzen.

Konfiguration

configure terminal

vlan 13
   name "Voice"
   voice                 ! aktiviert die LLDP-MED Voice-Policy (zwingend)
   tagged 1-9            ! Telefon-Ports
   tagged 49             ! Uplink zur Firewall (additiv)
   exit

! VLAN 1 muss man nicht anfassen. Alle Ports sind dort per Default
! untagged Mitglied, d. h. der PC-Port landet automatisch in VLAN 1.

write memory             ! speichern, sonst nach Reboot weg

SSH-Zugang

Der 2530 bietet nur veraltete Krypto-Algorithmen an, moderne SSH-Clients verweigern deshalb den Verbindungsaufbau. Für einen einmaligen Zugriff die alten Verfahren explizit erlauben:

ssh -oKexAlgorithms=+diffie-hellman-group14-sha1 -oHostKeyAlgorithms=+ssh-rsa -oCiphers=+aes256-cbc admin@<switch-ip>

Dauerhaft hinterlegen in ~/.ssh/config (unter Windows C:\Users\<user>\.ssh\config):

Host <switch-ip>
    KexAlgorithms +diffie-hellman-group14-sha1
    HostKeyAlgorithms +ssh-rsa
    Ciphers +aes256-cbc

Verifizieren

show vlans                          ! in der Voice-Spalte muss bei VLAN 13 "Yes" stehen
show vlans ports 1 detail           ! Port: VLAN 1 untagged, VLAN 13 tagged?
show lldp info remote-device 1      ! Telefon erkannt, Network Policy VLAN 13?

In der LLDP-Ausgabe gehören Media Policy Vlan id : 13 und Media Policy Tagged : True.


Cambium cnMatrix (z. B. EX2052)

Verwaltung über die Web-GUI unter Layer 2 → VLAN → Voice. Cambium bietet Voice- und Daten-VLAN als getrennte Felder an, das ist angenehm übersichtlich.

Vorher muss VLAN 13 unter Static VLANs angelegt sein.

Einstellungen (Reiter „Voice“)

FeldWert
Voice VLAN13
Voice Traffic Priority5 (Standard für Voice)
Voice Traffic DSCP46 (EF, Standard für Voice)
Voice VLAN TaggingTagged
Voice Data VLAN1
Voice Data VLAN TaggingUntagged
Voice Uplink InterfacePort zur Firewall

Danach auf Apply.

Automated Voice VLAN (ab Firmware 4.2)

Ist das VLAN als Voice deklariert und der Uplink gesetzt, konfiguriert der Switch die Telefon-Ports selbst, sobald er per LLDP-MED ein Telefon erkennt. Wird das Telefon abgesteckt, räumt er die Config wieder weg. Bei älterer Firmware setzt man die Telefon-Ports manuell als Hybrid-Port (Voice 13 tagged, Daten 1 untagged).

LLDP muss aktiv sein (Layer 2 → LLDP, normalerweise Standard).


Aruba Instant On 1930 / 1960 (lokale Web-GUI)

Verwaltung über die lokale Web-GUI (https://<switch-ip>). SSH oder CLI gibt es bei Instant On nicht.

Im Cloud-Modus (Instant On App) läuft das anders, dort legt man ein „Wired Network“ mit Usage = Voice an. Dieser Abschnitt beschreibt den lokalen Modus.

  1. VLAN anlegen unter VLAN → VLAN Configuration → Add, VLAN 13. Der VLAN-Wizard legt nur ein VLAN pro Durchlauf an, das wirkt wie ein Limit. Über VLAN Configuration direkt gehen beliebig viele. Achtung: VLAN Interface Configuration sind die L3-Routing-Interfaces (max. 8), nicht damit verwechseln.
  2. Ports taggen unter VLAN → VLAN Membership – By Interface. Telefon-Port: VLAN 1 untagged, VLAN 13 tagged. Uplink-Port: VLAN 13 tagged, additiv.
  3. Voice-VLAN aktivieren unter Switching → Voice VLAN Configuration. Global: Voice VLAN enable, Voice VLAN ID 13, DSCP 46. Unter Telephony OUI prüfen, ob der Yealink-OUI C4:FC:22 drinsteht, sonst eintragen. Unter Voice VLAN Interface Settings an den Telefon-Ports aktivieren.
  4. LLDP aktiv unter Neighbor Discovery → LLDP bzw. LLDP-MED.

Die OUI-Erkennung sorgt für Priorisierung und Port-Mitgliedschaft. Dass das Telefon mit 13 taggt, lernt es aber über LLDP-MED. Ohne LLDP-MED nützt die OUI-Tabelle nichts.


Aruba Instant On 1830 (lokale Web-GUI)

Das ist das Einstiegsmodell und hat keine eigene „Voice VLAN“-Seite. Das Voice-Handling läuft hier komplett über LLDP-MED.

  1. VLAN anlegen unter VLAN → VLAN Configuration → Add, VLAN 13.
  2. Ports taggen unter VLAN → VLAN Membership – By Interface. Telefon-Port: VLAN 1 untagged, VLAN 13 tagged. Uplink-Port: VLAN 13 tagged, additiv.
  3. LLDP-MED unter Neighbor Discovery → LLDP-MED. MED global und pro Port auf Enabled, TLVs Capabilities, Network Policy. Unter Interface Configuration die Network Policy am Telefon-Port aktiv.

Telefon-Port finden

Auf Neighbor Discovery → LLDP-MED → Interface Configuration zeigt die Spalte „Operational Status“ pro Port Enabled, sobald ein MED-fähiges Gerät erkannt wurde. Das ist praktisch immer ein Telefon, also ein eingebauter „hier steckt ein Telefon“-Detektor. Unter „Remote Device Information“ auf derselben Seite steht, welche Network Policy ausgehandelt wurde. Das ist das 1830-Pendant zu show lldp info remote-device beim 2530.

Fallback, falls die MED-Advertisement zickt

Beim 1830 ist die VLAN-Ableitung über MED nicht immer zuverlässig. Sicher funktioniert es, wenn man das VLAN statisch am Telefon setzt: am Yealink unter Network → Advanced → VLAN → Internet Port VLAN die 13 eintragen (Enabled). Dann taggt das Telefon selbst, der Switch braucht nur VLAN 13 tagged am Port. Der Nachteil ist, dass man das pro Telefon einmal von Hand machen muss, also kein Plug-and-Play.


Aruba CX und Cisco IOS (Referenz)

Aruba CX (Cisco-ähnliche CLI):

vlan 13
    name Voice
    voice

interface 1/1/1
    no shutdown
    no routing
    vlan trunk native 1            ! Daten untagged -> PC
    vlan trunk allowed 1,13        ! die 1 muss mit rein, sonst kein DHCP am PC-Port

Stolperfalle bei CX: Steht unter allowed nur die 13, funktioniert das Telefon, aber der PC am Durchreich-Port bekommt kein DHCP. Die 1 muss explizit dabei sein.

Cisco IOS:

interface GigabitEthernet0/1
 switchport mode access
 switchport access vlan 1          ! Daten untagged
 switchport voice vlan 13          ! Voice getaggt, per CDP/LLDP-MED ans Telefon
 spanning-tree portfast

Firewall-Seite (Securepoint UTM)

Wenn jedes VLAN seinen eigenen DHCP-Server auf der Firewall hat, entfällt das DHCP-Relay (ip helper-address). Erreichbar muss das Voice-VLAN aber sein:

  1. Auf dem Switch-Port Richtung UTM läuft VLAN 13 tagged.
  2. Auf der UTM unter Netzwerk → Netzwerkkonfiguration ein VLAN-Interface mit ID 13 auf dem physischen Port anlegen. Es bekommt eine eigene IP (das Gateway fürs Telefonnetz), eine eigene Zone und einen eigenen DHCP-Bereich für den 13er-Scope.

Der häufigste Fehler an dieser Stelle: Switch-Seite sauber, aber auf der UTM fehlt das VLAN-Interface. Dann taggt das Telefon brav mit 13, nur lauscht niemand auf VLAN 13, also kommt keine IP.


Im Normalfall muss man am Telefon nichts tun. LLDP ist ab Werk an (Network → Advanced → VLAN → LLDP = Enabled), das Telefon zieht die VLAN automatisch. Der PC-Port steht auf PC Port Mode = Bridge (Standard) und reicht den PC-Traffic untagged durch. Wer das VLAN statisch setzen will, trägt es unter Network → Advanced → VLAN → Internet Port VLAN ein.

Status prüfen am Telefon: unter Status → Netzwerk stehen IP und VLAN-ID, unter Account → Register der Registrierungsstatus an der Starface.

Wichtig ist, dass Netzwerk und Telefonie zwei getrennte Ebenen sind. Ein Telefon kann eine korrekte Voice-IP haben und sich trotzdem nicht anmelden, etwa wenn das Konto auf Disabled steht. Dann liegt es an der Provisionierung bzw. Endgeräte-Zuordnung an der Starface und nicht am VLAN.


Troubleshooting

SymptomWahrscheinliche Ursache
Telefon zieht IP im Daten-VLAN statt Voicevoice-Flag bzw. LLDP-MED fehlt, oder Voice-VLAN am Port nicht tagged
Telefon zieht gar keine IP (169.254.x.x)DHCP-Bereich fehlt, oder VLAN-Interface auf der UTM fehlt, oder Uplink nicht getaggt
PC am Telefon bekommt kein DHCPDaten-VLAN am Port nicht untagged; bei Aruba CX fehlt die 1 unter allowed
Telefon hat IP, registriert sich aber nichtKein VLAN-Problem, sondern SIP-Account bzw. Provisionierung an der Starface
SSH zum alten Switch schlägt fehlLegacy-Krypto erzwingen (Abschnitt 3)
Instant On zeigt nur ein VLAN anDer Wizard legt nur eins pro Durchlauf an, über VLAN Configuration mehrere anlegen

Plattform-Übersicht

PlattformVerwaltungVoice-VLAN-Mechanismus
HP/Aruba 2530 (AOS-S)CLI (SSH/Konsole)voice-Flag am VLAN
Aruba CXCLI (SSH)voice-Flag am VLAN
Cisco IOSCLIswitchport voice vlan
Cambium cnMatrixWeb-GUIVoice-Reiter, Automated Voice VLAN
Instant On 1930/1960Web-GUI (lokal/Cloud)Voice VLAN Configuration plus OUI
Instant On 1830Web-GUI (lokal/Cloud)LLDP-MED Network Policy

Über alle Plattformen hinweg bleibt es dasselbe: Daten untagged, Voice tagged, das Telefon meldet sich per LLDP-MED selbst. Nur die Oberfläche ist jedes Mal eine andere.